20 May 2012    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   Jugendakademie- das ProgrammJANA GeFragT

Was ist das Höchste, das man für sich selbst erreichen kann?

Notizen aus unserem Treffen am 01.02.2010 in der FesteBurg:

  • Das „Höchste“ verstehe ich nicht materiell, sondern ich frage mich, ob das, was ich bisher erreicht oder erlebt habe, alles gewesen sein kann. Ich bin durchaus zufrieden mit dem, was bisher gewesen ist. Aber es geht mir nicht um Zufriedenheit, sondern darum, was darüber hinaus für mich noch möglich ist, was denn eigentlich das Höchste für mich sein kann.
  • Das Höchste kann man wenn überhaupt nicht dauerhaft erreichen. Es geht auch um kurzfristige Erfolgserlebnisse oder um Dinge, die ich mir erträume.
  • Natürlich gibt es auch Glückgefühle des Augenblicks. Aber um dieses Glück geht es mir nicht.
  • Es geht nicht um irgendeine Art von Bedürfnisbefriedigung, sondern um das innere Gefühl, wie erreiche ich aus mir selbst heraus so etwas wie Glück und Sinn. Dazu gehört, mich in der Welt frei zu fühlen und dem zu folgen, was ich selbst bin.
  • Die Frage nach dem, was einem wirklich wichtig ist, stellt sich sicherlich in jedem Lebensalter unterschiedlich. Für mich geht es darum, authentisch zu sein. In dem Film „Alexis Sorbas“ ist eine Szene, die mir unvergesslich ist, als nach allen Schrecknisse und trotz aller Tragik es heißt : „Und jetzt lasst uns tanzen“.
    Trotz alledem lachen können und ein Stück weit auch verrückt sein. Ich erlebe in Alsterdorf, wie Menschen Lebensfreude ausstrahlen, obwohl sie nach unseren Maßstäben geistig nicht normal sind.
  • Menschen, die ich in Alsterdorf erlebe, zeichnen sich durch etwas aus, was ich als wirkliche Persönlichkeit bezeichne. Viele – natürlich nicht alle – sind authentische Persönlichkeiten; sie strahlen eine innere Ruhe aus, führen ein Eigenleben. Wir anderen „normalen“ sind so sehr in einem System gefangen, das uns in unserem Verhalten prägt und einengt. Also sollten wir der Frage nachgehen, wodurch wir eigentlich geprägt werden. Wie können wir uns von den Zwängen, den tatsächlichen oder den angenommenen, befreien, um uns zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln und jeweils „seinen Weg“ zu gehen.
  • Ist die Freiheit dieser Menschen nicht davon abhängig, dass sie in einem „geschützten Raum“ leben? Während der Nazi-Zeit waren diese Menschen doch extrem gefährdet, weil sie als „lebensunwert“ galten.
  • A. schildert die Begegnung mit einem Schwerstbehinderten, der in seinem Beisein eine Leistung vollbringt, nämlich eine Bewegung zu vollziehen, die er bisher noch nie gekonnt hat und die andere für unmöglich hielten, und dieser Menschen war darüber, das ihm dies gelungen ist, einfach nur glücklich. Für ihn war das in diesem Augenblick „das Höchste“.
  • In der Tat lässt sich gerade bei Behinderten eine Stärke der Persönlichkeit feststellen. Es kommt darauf an, sich ein Stück innerer Freiheit zu bewahren. Ich habe durch den Umgang mit Behinderten viel auch über mich selbst erfahren.
  • Wir unterliegen im Alltag ganz vielen Zwängen, äußeren und inneren. Deshalb kommt es darauf an, von all dem einmal Abstand zu nehmen. Jeder Mensch braucht eine Ruhe, um zu sich selbst zu kommen. Auch der Umgang mit einem Tier kann dabei helfen, das nur es selbst ist.
  • Ich denke, das Negative, das ich erlebe, kann für mich durchaus nützlich sein. Dabei sind Normen und Gesetze, die mein Handeln und Verhalten begrenzen, unbedingt wichtig. Innerlich ausgeglichen zu sein erscheint mir als das Höchste, das ich erreichen kann.
  • Ich bin nur Mensch, wenn ich ein Gegenüber habe, wenn mir Menschen begegnen, die mir etwas bedeuten. Ein Glas Wein, ein gutes Buch, ein einfühlendes Gespräch, das kann für mich das Höchste sein. Egomanie ist nicht meine Lebensweise. Ich weiß, das ich als Mensch auf andere angewiesen bin. Deshalb sehe ich im Alleinsein, nur auf mich selbst verwiesen sein, nichts Erstrebenswertes. Man kann auch an sich selbst verzweifeln. „Wein und nette Leute“, dieses Kurzformel drückt aus, was ich meine.
  • Ich brauche die anderen, um ich selbst zu sein.
  • „Wein und nette Leute“, das allein kann doch nicht reichen.
  • Mein Eindruck ist, dass die Erwachsenen sich eingerichtet haben, sich mit dem zufrieden geben, wie es nun einmal ist. All ihre Träume, Kämpfe, Ideen, die sie einmal gehabt haben, sind verblasst. Sie sind jetzt nur noch die Spießer, gegen die sie einst aufbegehrt haben. Heute meine sie, so wie es ist, ist es gut. Wie soll man mit denen noch etwas bewegen, verändern können? Welches Bild von der Welt bieten sie uns Jüngeren?
  • Die eigenen Ziele verändern sich eben im Laufe des Lebens. Vom Radikalen zum Normalen.
  • Ich lebe in der Zeit, in der Welt, und ich weiß um eine Grenze, die ich nicht überschreiten kann.
  • Es ist doch auffällig, dass in unserem Gespräch das Wort „Glaube“ nicht gefallen ist. Bedeutet Christ sein, eine Hoffnung haben, die dem Leben eine andere Gewissheit, eine andere Zuversicht gibt?
  • Nein, zu meinen, alles wird gut, weil ich glaube – das ist es bestimmt nicht.
  • Glauben schließt tägliches Scheitern nicht aus.
  • Steht glauben für eine Grundzufriedenheit? 
  • Ich habe überhaupt keine Grundzufriedenheit; ich habe nicht die Hoffnung, in dieser Welt erlöst zu werden; ich habe auch keine innere Ruhe, sondern bin voller Unruhe und Bewegung  - das ist aber auch mein Lebenselixier. 
  • So wie es heute für mich ist, bin ich sehr zufrieden; dennoch habe ich mitunter das Gefühl, mich auf sehr dünnem Eis zu bewegen, das jeder Zeit einbrechen kann – Krankheit, Unfall, Zerstörung, gestörte Harmonie. Ich bin ein Genussmensch, dem die äußeren Annehmlichkeiten wichtig sind, obwohl ich weiss, dass mein Leben ohne „die anderen“ gar nicht möglich wäre – daraus leitet sich gewiss auch soziales Engagement ab.
  • Was ich von heute auf morgen verlieren kann, kann kein Glück sein.
  • Warum das alles so dramatisch sehen. Das Höchste ist endlich in diesem Leben. Punkt. Warum sollen wir uns dennoch keine Ziele setzen und uns bemühen, diese zu erreichen, auch wenn wir damit scheitern können?
  • So kann ich A. nicht folgen; für den Augenblick geht es mir gut: wie es weiter geht, wird sich zeigen
  • Was treibt mich eigentlich an? Mit vielen Dinge gehe ich heute gelassener um als früher. Doch ich will meine Dinge gut machen, ich will auch geliebt werden, aber bei all dem halte ich mich mehr zurück. Ich will mein „eigener Chef“ sein.
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